Transfer Learning

Transfer Learning

Transfer Learning ist eine Methode des Maschinellen Lernens, bei der ein bereits trainiertes Modell für eine neue, aber ähnliche Aufgabe wiederverwendet wird. Anstatt ein Modell von Grund auf neu zu trainieren, nutzt Transfer Learning das Wissen aus einer Voraufgabe (Source Task) und überträgt es auf eine Zielaufgabe (Target Task). Dadurch lassen sich Trainingszeit, Datenaufwand und Rechenressourcen erheblich reduzieren.

Transfer Learning ist besonders wertvoll, wenn nur wenige gelabelte Daten für die Zielaufgabe verfügbar sind, aber große Datenmengen für verwandte Aufgaben existieren. Typische Anwendungen finden sich in der Computer Vision und im Natural Language Processing (NLP).

Wie funktioniert Transfer Learning?

Das Grundprinzip besteht darin, die bereits gelernten Repräsentationen eines Modells (z. B. Merkmalsextraktion durch tiefe neuronale Netze) beizubehalten und nur die letzten Schichten für die spezifische Zielaufgabe neu zu trainieren. Dies kann durch „Fine-Tuning“ geschehen, bei dem das gesamte Modell oder nur Teile davon angepasst werden.

Typische Ansätze:

  • Feature Extraction: Nutzung der gelernten Merkmalsrepräsentationen ohne Anpassung der Modellparameter.
  • Fine-Tuning: Anpassung bestimmter Modellschichten an die Zielaufgabe.
  • Domain Adaptation: Übertragung von Wissen zwischen unterschiedlichen, aber verwandten Domänen.
  • Multitask Learning: Gemeinsames Training auf mehreren Aufgaben, um Wissen besser zu generalisieren.

Praxisbeispiele:

  • Bilderkennung: Verwendung eines vortrainierten Modells wie ResNet, um neue Bildklassen zu identifizieren.
  • Sprachverarbeitung: Einsatz von BERT oder GPT als Grundlage für Chatbots oder Sentimentanalyse.
  • Medizin: Nutzung vortrainierter Modelle zur Erkennung seltener Krankheiten mit kleinen Datensätzen.
  • Industrie: Übertragung von Modellen zwischen unterschiedlichen Maschinentypen oder Produktionsumgebungen.

Vorteile von Transfer Learning:

  • Weniger Datenbedarf: Funktioniert auch mit kleinen Datensätzen für die Zielaufgabe.
  • Zeiteffizienz: Deutlich kürzere Trainingszeiten als bei Modellen von Grund auf.
  • Leistungssteigerung: Modelle erreichen oft höhere Genauigkeit durch Nutzung vorhandenen Wissens.

Herausforderungen:

  • Negative Transfer: Wenn die Quell- und Zielaufgabe zu unterschiedlich sind, kann die Leistung sinken.
  • Feinjustierung: Erfordert Erfahrung bei der Auswahl der zu trainierenden Schichten.
  • Rechenaufwand: Große vortrainierte Modelle können viel Speicher und Leistung beanspruchen.

Verwandte Begriffe:

Fine-Tuning, Domain Adaptation, Multitask Learning, Feature Extraction, Pretraining, BERT, GPT, ResNet, Deep Learning, Few-Shot Learning, Zero-Shot Learning

Autor: IKTconcept Redaktion • Letzte Aktualisierung: 15. September 2025
Quelle: IKTconcept IT-Glossar, IKTconcept Startseite